Was glauben wir zu wissen?

Unser Weltbild braucht ein "Update": Transzendentale Meditation senkt effektiv die Kriminalitätsrate in Washington um 23%. Das ist kein esoterischer Werbeslogan, sondern Ergebnis eines wissenschaftlichen Experiments. Es zeigt die Grenzen unseres physisch-mechanischen Weltbildes. Kein Wunder, es ist stolze 350 Jahre alt. Sind Sie bereit für ein neues?

Wie die Wissenschaft Wissen schafft

Seit der Mensch denken kann, strebt er nach Wissen und macht sich ein Bild von der Welt. Dazu nutzt er zwei ganz unterschiedliche Zugänge:

  1.  Er ruft Götter an, verbindet sich mit der Natur und bittet um die richtige Intuition. Heute wird dies im Westen eher als „Glaube“ bezeichnet.

  2. Er macht Untersuchungen, stellt Theorien auf und überprüft diese mittels Experimenten. Dies kennen wir alle aus den heutigen Wissenschaften. Sie nehmen in Anspruch, objektiv und überprüfbar zu sein. Aber bei genauerem Hinsehen finden sich auch hier Glaubenssätze.


Gelungene Wissenschaft ist ein fortlaufender, zyklischer Prozess. Ein bestehendes Weltbild gibt vor, welche Fragen wie beantwortet werden, und mit welcher Formalsprache, z.B. der Mathematik, die Theorie beschrieben wird. Versuchsergebnisse, die nicht in diese Theorie passen, werden negiert oder als „Anomalie“ oder „Paradoxon“ bezeichnet. Mit der Zeit häufen sich die beobachteten Anomalien. Zu einem revolutionären Fortschritt kommt es dann, wenn die Forscher ihr Denken und ihre Praxis ausweiten und die Anomalien in eine neue Theorie integrieren. Das alte Paradigma wird entweder weiterhin als gute Näherung innerhalb gewisser Randbedingungen angesehen, z.B. die newtonsche Mechanik oder es wird von der neuen Theorie komplett verneint und „gestürzt“, z.B. dass Materie aus „harten“ Atomen besteht. Irgendwann wird dann die neue Theorie akzeptiert und ihrerseits zum herrschenden Paradigma erhoben.

Die „alten“ Weltbilder

Aus Indien sind die Veden – wörtlich: „Wissen, heiliges Gesetz“ – überliefert. Sie enthalten neben den religiösen Ritualen und Erzählungen auch Offenbarungen des Wissens über die Zusammenhänge der Welt.



Die ersten alchemistischen Schriften werden der Gott-Gestalt Hermes Trismegistos, einer legendären Verschmelzung des griechischen Gottes Hermes mit dem ägyptischen Gott Thot zugeschrieben. Alchemie war beides: die innere Wandlung (Transmutation) des Alchemisten zu einem reineren und edleren Menschen und – damit einhergehend – die äußere Umwandlung eines Metalls in ein edleres, letztlich in Gold.

Bei den Vorsokratikern waren Naturwissenschaften, Mathematik, Philosophie und Religion noch nicht getrennt. Als „Physis“ bezeichnete man die „Entdeckung des Urgrunds aller Dinge“. Die Weisen waren zugleich Naturwissenschaftler, Mathematiker, Philosophen und Mystiker. Thales: „Alle Dinge sind voll von Göttern.“ Heraklit: „Alles ist ständig im Wandel. Der Wandel kommt vom zyklischen Zusammenspiel der Gegensätze.“ Leukipp: „Das Atom ist eine kleinste, unteilbare Einheit. Passive Teilchen bewegen sich im leeren Raum.“

Während die griechischen Klassiker Sokrates und Platon ebenfalls die Einheit von Naturphilosophie und Mystik vertraten, schuf Aristoteles ein Schema der Wissenschaften, in dem die materiellen Naturwissenschaften von den philosophischen Theorien und ethischen Praktiken getrennt waren. Erst in der Spätantike kehrten die Neuplatoniker wieder zu der umfassenden, metaphysischen Philosophie zurück.

Im „dunklen“ Mittelalter verbot die christliche Kirche die Naturwissenschaften und bekämpfte die ganzheitlichen Philosophien, weil „wissen“ als Konkurrenz zu „glauben“ angesehen wurde. Trotzdem wurde in Klöstern auch naturwissenschaftliche Arbeit geleistet, z.B. von Hildegard von Bingen in Medizin und Kosmologie. Albertus Magnus und Thomas von Aquin entdeckten die Schriften des Aristoteles wieder und begründeten die „christliche Aristotelik“.


Die Renaissance läutete schließlich das systematische Studium der Natur ein mit der bis heute vorherrschenden Methodik: Idee, Experiment, mathematische Theorie und Überprüfung. Galileo Galilei kam zu der Überzeugung, dass die Erde und die Planeten um die Sonne kreisen, wie auch Nikolaus Kopernikus beobachtete. Johannes Kepler war Astrologe und Theologe mit einem Weltbild ähnlich dem der pythagoreischen Mystiker. Für ihn war die Schöpfung ein zusammenhängendes Ganzes und die Mathematik die Grundlage der göttlichen Natur.

Auch Giordano Bruno trug zu einem ganzheitlichen, pantheistischen Weltbild bei, in dem Gott eins ist mit dem Kosmos und der Natur. Er nahm Erkenntnisse vorweg, wie z.B. die Unendlichkeit des Weltalls und die Existenz von weiterem Leben im Universum.

René Descartes begründete den Rationalismus. Die Welt der Materie wird getrennt von der Welt des Geistes erforscht. Der Mensch definiert sich durch seinen Geist, der im Körper lebt. „Cogito, ergo sum“, „Ich denke, also bin ich“.

Die Welt ist eine Vielfalt getrennter Objekte und Vorgänge. Die Gesellschaft ist eine Vielfalt getrennter Nationen, Völker, religiöser und politischer Gruppen. In dieser Denkweise sind unsere heutigen sozialen, ökologischen und kulturellen Krisen begründet.

Das Weltbild der newtonschen  Mechanik

Isaac Newton ging von toter, passiver Materie aus. Sie steht in Wechselwirkung zu aktiven, immateriellen Naturkräften. In diesem mechanistischen Weltbild setzte er die Grundlage der klassischen Physik: Massenträgheit, Beschleunigungskraft und Kräftegleichgewicht. Newton war der Erste, der die Bewegungen sowohl auf der Erde als auch am Himmel mit denselben Gesetzen beschreiben konnte, indem er die Gravitationskraft der Massen einführte. Im 19. Jh. wurde die newtonsche Mechanik auch auf die Bewegung von Flüssigkeiten und auf Schwingungen elastischer Körper und sogar in der Chemie auf die Wärmebewegung von Molekülen erfolgreich angewendet.

Das newtonsche Weltbild
Newton formulierte die Weltanschauung von der absoluten Zeit, die unabhängig von den Dingen fließt und von dem absoluten dreidimensionalen Raum, der als Bezugssystem ruhend und unverändert ist, worin sich die Masseteilchen bewegen. Dieses deterministische Weltbild prägt noch heute das Weltbild der meisten Menschen: Aus der Verteilung der Massen im Raum und deren Anfangsgeschwindigkeiten folgen alle weiteren Vorgänge in der Zukunft. Die Welt kann objektiv beschrieben werden, ohne den menschlichen Beobachter miteinzubeziehen.

Newton'sche Mechanik: Actio = Reactio

Im 19. Jh. fanden Michael Faraday und James Clerk Maxwell die elektromagnetischen Effekte und begründeten die Elektrodynamik. Elektrische Ladungen bilden ein elektrisches Kraftfeld im Raum aus. Bewegte Ladungen bilden ein magnetisches Kraftfeld im Raum aus. Ein „Feld“ ist eine Veränderung des „leeren Raumes“, die augenblicklich an allen Orten eine Kraft erzeugen kann. Licht ist ein elektromagnetisches Feld, das in einem bestimmten Frequenzbereich die Polarität wechselt, ca. 400 bis 800 Billionen Mal pro Sekunde. Maxwell postulierte einen „Äther“ im Raum des Universums, der die Schwingungen weiterträgt, wie die Luft Schallwellen überträgt.

Die Relativitätstheorie revolutioniert das newtonsche Weltbild

Anfang des 20. Jh. veröffentlichte Einstein die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie, die besagen, dass Raum und Zeit nicht unabhängig voneinander sind, sondern ein Raum-Zeit-Kontinuum bilden. Der Raum ist nicht unveränderlich, sondern wird durch die Gravitationskraft der Massen „gekrümmt“. Auch die Zeit vergeht nicht gleichmäßig schnell, sondern wird durch die Geschwindigkeit des Beobachters und vom Vorhandensein von Masse verändert. Die Begriffe vom „leeren Raum“ und von der absoluten Zeit verlieren ihre Bedeutung. Energie lässt sich mithilfe der berühmten Formel E = m c2 in Masse umrechnen und umkehren, wobei die Lichtgeschwindigkeit ca. 300 Millionen Meter pro Sekunde ist. D.h., eine sehr kleine Masse entspricht einer sehr großen Energie.



Max von Laue und Ernest Rutherford entdeckten Röntgenstrahlen und radioaktive Strahlen. Ihre Forschungen erbrachten, dass das Atom kein hartes, festes Teilchen ist, sondern ein weiter Raum, in dem sich Elektronen um einen winzigen Kern bewegen. Der Begriff „fester Körper“, der für die Planetenbahnen und auch für unseren wahrnehmbaren Alltag gilt, wurde von der Atomphysik widerlegt.

Das Atom
Ein Atom hat den Durchmesser von ca. einem hundertmillionstel Zentimeter. Vergrößert man einen Apfel auf die Größe der Erde, dann hätte ein Atom des Apfels die Größe einer Kirsche. Vergrößert man diese Kirsche bis zur Größe des Petersdoms in Rom, dann hätte der Atomkern die Größe eines Salzkorns und die Elektronen wären wie Staubteilchen im weiten Raum des Doms.

 

Die Quantentheorie ergänzt die Relativitätstheorie

In den 20er-Jahren entwickelten die Chemiker und Atomphysiker Planck, Bohr, de Broglie, Schrödinger, Pauli, Heisenberg und Dirac die Quantentheorie für die subatomaren Bestandteile eines Atoms, die Protonen, Neutronen und Elektronen. Diese sind keine festen Teilchen, sondern abstrakte Gebilde mit einer Doppelnatur: einerseits Teilchen und andererseits elektromagnetische Schwingungen, die sich im Raum ausbreiten. Auch Licht hat diese Doppelnatur. Auf der subatomaren Ebene existiert Materie nicht mit Sicherheit an bestimmten Orten. Die Vorgänge laufen nicht zu definierten Zeiten auf bestimmte Weise ab, sondern nur mit einer Wahrscheinlichkeit. Es werden also keine getrennten Teilchen beschrieben, sondern Wahrscheinlichkeiten von Zusammenhängen. Zudem sind die Ergebnisse der Versuche abhängig von dem Vorhandensein des Beobachters.


Quantenphysik: Erst durch die Beobachtung manifestiert sich eine der Möglichkeiten

Das Einstein-Podolsky-Rosen-Experiment zeigt, dass Elektronen nach paarweiser Trennung auch über weite Entfernungen hinweg augenblicklich ohne Zeitverzögerung gleich reagieren. Dies legt den Schluss nahe, dass die beiden Teilchen entweder unendlich schnell miteinander kommunizieren können oder dass sie nie wirklich getrennt waren.

Die Folgen dieser Erkenntnisse für unser Weltbild sind:

  • Die Materie verhält sich nicht objektiv und wiederholbar, sondern abhängig vom Beobachter und vom Versuch.
  • Das Primäre sind nicht „Teilchen“, die in Wechselwirkung stehen, sondern die Beziehungen, welche die Teilchen mit gewissen Wahrscheinlichkeiten hervorbringen.
  • Wir können nicht über Natur sprechen, ohne gleichzeitig über uns selbst zu sprechen.
  • Im Universum hängt alles zusammen, alles ist eins, Geist und Materie sind nicht zu trennen.

Seit den 60er-Jahren entwerfen die Grundlagenphysiker neue Theorien, um mithilfe mathematischer Beschreibungen die Effekte der Teilchenversuche zu erklären. Es wurden „Quarks“ als Sub-Elementarteilchen postuliert, eine „S-Matrix-Theorie“, eine „Bootstrap-Theorie“, eine „M-Theorie“, eine „Schleifen-Quanten-Theorie “ und zuletzt eine „Stringtheorie“ formuliert.

Der Materialismus hat ausgedient

David Bohm übersetzte die physikalischen Teilchentheorien in die philosophische Sprache in der Theorie der implizierten Ordnung:

    • Das Universum ist ein nicht teilbares Ganzes.

    • Die Ordnung des Ganzen ist implizit in jedem Teilchen des Universums enthalten.

    • Geist und Materie sind voneinander abhängig und korreliert. Beides sind sich gegenseitig „einfaltende“ Projektionen einer höheren Realität.

All diese Ergebnisse der physikalischen Grundlagenforschung legen nahe, dass es Zeit für einen Paradigmenwechsel ist.

Das bedeutet, dass neue, andere Experimente durchzuführen sind, und neue, andere Methoden, als die der Mathematik zur Beschreibung der Wirklichkeit einzusetzen sind.

    • Wir sind keine „Bio-Roboter“.

    • Materie besteht aus Energie und Potenzialität, sie besitzt Spontaneität und Bewusstsein.

    • Geist, Erinnerung, Denken und Fühlen sitzen nicht nur im Gehirn.

    • Es gibt unerklärliche Phänomene, z.B. Telepathie, Fernheilungen.

Neue Experimente bestätigen esoterische Lehren

Lynne McTaggart hat viele wissenschaftliche Studien aus dem Bereich der Parapsychologie zusammengefasst, die nahelegen, dass das menschliche Gehirn eine Art allgegenwärtiges „Nullpunktfeld“ anzapfen kann, das alle Informationen gespeichert hat. Rupert Sheldrake hat solche parapsychologischen Versuche wissenschaftlich durchgeführt und spricht von einem allumfassenden „Morphischen Feld“, zu dem die Menschen und Tiere Zugang haben. 1993 wurde gezielt 3 Wochen lang durch Transzendentale Meditation von 4000 Menschen die Kriminalitätsrate in Washington um 23% gesenkt.

Roger Nelson etablierte seit 1998 das „Global Consciousness Project“ (GCP), das ein Bewusstsein der Erde „objektiv und messtechnisch“ erfasst. Hierzu sind mittlerweile ca. 140 digitale Zufallsgeneratoren auf der ganzen Welt verteilt aufgestellt, die ständig zufällige Bitfolgen erzeugen. Eine zentrale Auswertung vergleicht die statistische Verteilung der Daten und ergibt, dass bei weltweit beachteten Ereignissen, wie z.B. dem Tod von Lady Diana oder Nelson Mandela, bei großen Naturkatastrophen oder wichtigen Präsidentschaftswahlen die statistische Verteilung der „Zufallszahlen“ signifikant vom Erwartungswert abweicht. Die Computer reagieren auf die Gedanken und Gefühle der Menschheit.

Klaus Volkamer kommt durch sehr genaue Gewichtsmessungen zur Ansicht, eine „feinstoffliche Materie“ nachzuweisen, mit der man sämtliche bisher unerklärlichen Phänomene erklären kann.

Lynn Margulis und James Lovelock haben die Gaia-Hypothese zur Physiologie der Erde entwickelt. Sie sehen die Erde als ein großes Lebewesen an, das über lange Zeiträume die Bedingungen so einstellt, dass sich höheres Leben entwickeln kann: z.B. die Zusammensetzung der Erdatmosphäre, die Temperatur auf der Erde und der Salzgehalt der Ozeane. Ein bakterielles Netzwerk regelt die chemischen Reaktionen in unseren Körpern und auf der gesamten Erdoberfläche.



Auch Fritjof Capra beschreibt einen systemischen Ansatz und ein ganzheitliches holistisches Weltbild. Ein Teilsystem kann nie aus sich heraus das Verhalten des übergeordneten Systems erklären. Das Ganze ist mehr und anders als die Summe der Teile.

Der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr schreibt: Es gibt keine „Materie“. In der sichtbaren Welt gilt das Entweder-oder. Die Quantenphysik hat aber nachgewiesen, dass es ein Sowohl-als-auch und potenzielle Realitäten gibt.

William Arntz hat die Grundlagenforscher, Philosophen und Mystiker der heutigen Zeit zusammengebracht, befragt und versucht, die Diskussion in Filmen und Kongressen unter dem Titel „What the bleep do we (k)now!?“ der Öffentlichkeit verständlich zu machen.

What the bleep do we (k)now?

„Wir wissen nicht viel und können gar nicht alles verstehen.“
„Wir brauchen einen Paradigmenwechsel und neue, umfassendere Theorien.“
„Der Schlüssel liegt in der gleichzeitigen Betrachtung von Geist, Psyche und Materie.“
„Wir sollten alle Weisheitslehren und Erkenntnisse in unser Weltbild einbeziehen.“

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 140, April 2015 des Magazins Abenteuer Philosophie veröffentlicht, Autor: Rolf Klug