Platon - von Höhlen, Ideen und Staatsformen

Ein kurzer Abriss über Leben und Werk Platons

Leben

Der Sohn des Ariston und ein Nachkomme von König Kodros und Periktione (die eine Nachfahrin des großen Gesetzgebers Solon war), wurde in Athen um 429/428 v.Chr. geboren und starb 347 v.Chr. Sein richtiger Name war Aristokles, der Name Platon war ein Spitzname und bedeutet „mit breiten Schultern“. Dieser Name wurde ihm offenbar von Ariston gegeben, der sein Lehrer im Ringkampf war.

Nach Diogenes Laertius wurde er am 7. Tag des Thargelion, der dem Monat April entspricht, geboren, obwohl die Neuplatonische Akademie von Florenz seinen Geburtstag am 7. November feierte. Er hatte zwei Brüder, Adeimantos und Glaukon und eine Schwester namens Potona, die Mutter von Speusippos, seinem Nachfolger als Leiter der Akademie. Von seiner frühen Jugend ist wenig bekannt, außer dass er eine gute Erziehung genoss und Unterricht im Ringkampf und Malerei bekam. Auch komponierte er Dithyramben (Hymnen zu Ehren des Gottes Dionysos) sowie Lieder und Tragödien.

Aristoteles berichtet, daß Platons erster Philosophielehrer Kratylos hieß, der wiederum ein Anhänger von Heraklit war. Im Alter von zwanzig Jahren traf er Sokrates und die Legende berichtet, daß jener am Tag zuvor von einem jungen Schwan geträumt hatte. Platon begleitete Sokrates bis zu seinem Tod, der ihn acht Jahre später ereilte. Wie er sich selbst in seinem siebten Brief erinnerte, wollte er sich als junger Mann in der Politik betätigen, bestrebt, in einer Zeit des Niedergangs und der Krise am öffentlichen Leben seiner Stadt teilzunehmen.


Dieser Versuch und der Tod des Sokrates war ein Wendepunkt im Leben Platons und eine Periode des Suchens und Lernens begann. In dieser Zeit trat er mit einigen sehr bedeutenden philosophischen Gruppen in Kontakt, unter denen sich wahrscheinlich auch Mysterienschulen befanden. Er verließ Athen und zog nach Megara, um die Lehren des Euklid zu hören, und dann nach Kyrene, wo ihn Theodoros Mathematik lehrte. Er setzte seine Reise fort und fuhr nach Italien, wo er Schüler der Pythagoräer Philolaos und Eurytos wurde.

Die letzte Etappe seiner Reise führte Platon nach Ägypten, wo er schwer erkrankte. Er wurde von Priestern im  Meer untergetaucht und geheilt - diese Episode ist vielleicht ein Verweis auf ein Ritual, eine Anspielung auf seine Initiation in die ägyptischen Mysterien. Nach seiner Rückkehr aus Ägypten besuchte er auf dem Rückweg zuerst Kyrene auf Kreta und auf dem italienischen Festland Tarent und Syrakus, zwei entscheidende Städte in seiner Biografie. Die erste, von dem Pythagoräer Archytas regiert, war das Modell einer Regierung der Philosophen und der Umsetzung des pythagoräischen Systems, das ein wichtiger Bestandteil seiner philosophischen Arbeit war. Es war Archytas, der philosophische Prinz, der ihn mit Dionysios, dem Tyrann von Syrakus bekannt machte. Es begann eine sehr wechselvolle philosophische Beziehung mit dem Tyrannen Dionysios dem Älteren und seinem Neffen Dion. Sie endete damit, dass Platon in Ägina als Sklave verkauft wurde. Annikeris von Kyrene befreite ihn wieder, indem er Platon freikaufte. Nach seiner Freilassung kehrte Platon nach Athen zurück und eine lange Periode von ca. vierzig Jahren des Lehrens und der Studien begann, die nur kurz von zwei Reisen nach Syrakus unterbrochen wurde (366 v.Chr. und 361 v.Chr.).

In dieser Zeit gründete er seine eigene philosophische Schule, die Platonische Akademie, in einer bescheidenen Turnhalle, drei Kilometer vom Dipylon-Tor entfernt in der Nähe des Stadtteils Kolonos, wo Sophokles geboren wurde. Unter den Jüngern Platons, neben dem bereits erwähnten Speusippos und Aristoteles, waren auch zwei Frauen: Lasthenia von Mantineia und Axiothea aus Phlius, die sich als Mann verkleidete, wie Diogenes Laertius erzählt.

Werk

Die Schriften Platons haben die Form von Dialogen oder Briefen, mit einem feinen und tiefgründigen Schreibstil. Sie versuchen, einen möglichst rationalen Weg zu den abstraktesten Mysterien des Wissens aufzuzeigen. Seine philosophischen Argumente werden in den Dialogen durch Sokrates und andere Weise, wie etwa Timaios, vorgebracht.


Mittelalterliche Handschrift der lateinischen Timaios-Übersetzung des Calcidius

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die fünfunddreißig Dialoge und dreizehn Briefe des göttlichen Platon, wie er in der Renaissance genannt wurde, nach vielen verschiedenen Kriterien kategorisiert. Seiner eigenen Entwicklung trägt die zeitliche Systematisierung am meisten Rechnung:

Sokratische Periode:
- Apologie des Sokrates und Kriton (über den Gehorsam gegenüber den Gesetzen)
- Ion (über die Poesie)
- Laches (über die Tapferkeit)
- Lysis (über die Freundschaft)
- Charmides (über die Besonnenheit)
- Euthyphron (über die Frömmigkeit)

Phase des Übergangs:
- Euthydemos (Streitsucht)
- Hippias Minor (über die Lüge)
- Kratylos
- Hippias Major (über das Schöne)
- Menexenos
- Gorgias (über die Rhetorik)
- Protagoras (über die Erlernbarkeit der Tugenden)
- Menon

Phase der Reife:
- Phaidon (über die Unsterblichkeit der Seele)
- Symposion (über die Liebe)
- Phaidros (über die Schönheit)

Phase des Alters:
- Parmenides (über die Ideen)
- Theaitetos (über das Wissen)
- Timaios (über die Erschaffung der Natur)
- Sophistes (über das Sein)
- Politeia (über die Gerechtigkeit und den gerechten Staat)
- Philebos (über das Vergnügen)
- Kritias (über Atlantis)
- Nomoi (über die Gesetze)
- Epinomis

In dem allegorischen Fresko der Philosophie von Raffael von Urbino mit dem Titel  „Die Schule von Athen“, erscheint Platon mit dem Text des Timaios in der Hand. Dieser Dialog stellt wahrscheinlich das signifikanteste Erbe der platonischen Philosophie dar und wurde über die Jahrhunderte hinweg am häufigsten studiert und zitiert: Er handelt von der Weltseele und bezieht sich auf ältere Linien der Philosophie und einer Weisheit, die ihre Ursprünge auch in den Mysterientraditionen des antiken Griechenlands hatte.

Platon und die Philosophie

Man könnte sagen, dass Platon die Lehren der Mysterienkulte Griechenlands in die Welt der Philosophie gebracht hat, wie am Beispiel seiner Verwendung der Begriffe der Erinnerung und Reinigung zu sehen ist. Er spricht dabei von zwei Prinzipien: die fortschreitende Umwandlung des Seins durch die Umwandlung einer sinnlichen Welt in Richtung einer faßbaren und bewußten Welt, und die Theophanie oder die Vereinigung der Seele mit dem Göttlichen, wie sie im Symposion und im Bericht über die Lehren der Diotima dargelegt wurde.

Der platonische Philosoph ist wie Eros, der Sohn von Poros und Penia. Nur die Götter haben die vollkommene Weisheit erlangt. Der Philosoph steht in der Mitte zwischen Weisheit und Unwissenheit, weil er sich seiner Unwissenheit bewusst ist. Im Symposion wird die Philosophie als Liebe oder Sehnsucht nach Weisheit definiert. Der Philosoph ist nicht nur ein Bote, sondern er verwirklicht Transformation, denn er zeigt den Menschen etwas, das aus der Welt der Götter kommt, aus der Welt der Weisheit. Philosophie erscheint im Symposion als eine Erfahrung der Liebe.  „Weisheit ist eines der schönsten Dinge, und Liebe ist die Liebe zum Schönen. So muss ein Philosoph ein Liebender sein und daher in der Mitte zwischen Weisheit und Unwissenheit liegen“, erklärt er in dem oben genannten Dialog, durch den Mund des Sokrates. Philosophen sind, wie die Liebe, Vermittler zwischen den Göttern und Menschen. Die Liebe ist das Streben der Menschen zum Glück. Es ist der Wunsch nach Unsterblichkeit, der Impuls der Intelligenz in Richtung der Idee des Guten. Philosophie ist auch eine Übung im Sterben, denn der Tod ist die Trennung der Seele vom Körper, die jeder Philosoph anstrebt. Der Philosoph ist jemand, der die Wissenschaft des Sterbens versteht.



Platon und seine Akademie, Carl Wahlbom - http://runeberg.org/famijour/1879/0077.html

Im Theaitetos beschreibt er die Lebensweise des Philosophen, die darin besteht, durch Klarheit der Einsicht gerecht und weise zu werden. Wissen ist für Platon nie theoretisch: es ist die Transformation des Seins, Tugend, aber auch Fühlen. In seinem Dialog Parmenides spricht er von der Beziehung zwischen Ideen und Dingen. Platon spricht von der Teilnahme der Dinge an den Ideen. Er sühnt die Prinzipien aus, denn die Realität, das was ist, ist weder reine Einheit noch reine Vielheit.

Die Lehre von den Ideen ist der zentrale Kern der platonischen Philosophie, aber auch der von Aristoteles und seinen Anhängern am meisten umstrittene Aspekt. Die Ideen sind die Wahrheit der Dinge, die Essenzen, die die Wirklichkeit aufrechterhalten und die Modelle, die den Kosmos regieren. Die Seele kann den Zugang zu den Ideen gewinnen, sobald sie von den Eindrücken der sinnlichen Welt befreit ist und entdeckt, dass sinnliche Dinge  nicht mehr sind als die Schatten ihrer Ideen.

Dieser Artikel ist eine Übertragung des Artikels „Platon“, der auf der website library.acropolis.org erstmals veröffentlicht wurde, ins Deutsche.
Quellen für die Texte Platons: http://www.susannealbers.de und http://www.zeno.org. Weitere Originaltexte findest du unter http://www.opera-platonis.de