Welche Farben haben Schatten?

Schattentheater Indonesien Copyright Yoshi Shimizu 2

Zur Ausstellung "Die Welt des Schattentheaters" in Stuttgart: Das geheimnisvolle Zusammenspiel von Licht und Schatten hat den Menschen seit jeher in seinen Bann gezogen. Wer erwartet Darth Vader und Prinzessin Leia im Schattentheater?

Darth Vader & Co

Sangkala Vedeh, Peperangan Bintang Wayang Kulit,
Künstler: Chuo Yuan-Ping, Teh Take Huat, Tok Dalang Pak Daim, Malaysia, 2015, Pergament, Holz, Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer, Inv. SA 06078

In einer Vitrine des Linden-Museums steht Darth Vader als furchterregender Sangkala Veda mit seinem Schwert. In Indonesien ist das Schattentheater heute noch sehr lebendig, man spielt alte Epen und moderne Mythen.

Das Linden-Museum bringt uns einen universellen Aspekt des Menschen nahe: Die Betrachtung des Schattens. Ja, mehr noch – Das Spiel mit dem Schatten. Wann und wo das Schattentheater entstanden ist, können wir nur vermuten. Doch schon Platon beschreibt in seinem Höhlengleichnis ein Schattentheater. Wie im Höhlengleichnis dient das Schattentheater in vielen Kulturen als Mittel der Selbstreflexion.

Das Linden-Museum zeigt diese Sonderausstellung von Dienstag bis Sonntag bis zum 10. April 2016. Weitere Informationen, auch zum Begleitprogramm, unter www.lindenmuseum.de.

 

Verbindung von Religion und Unterhaltung

In Indien, Thailand und Indonesien ist das Theater auch heute noch Ritus. Prächtige, buntgefärbte Figuren erzählen uns die großen Epen der Götter und Helden, wie das Mahabarata und das Ramayana. Schon die Herstellung der Figuren wird von Zeremonien begleitet. Meist sind die Figuren farbenfroh bemalt. Trotzdem geben sie schwarze Schatten, es sei denn sie bestehen aus durchsichtigem Pergament. In den traditionellen Kulturen richtet sich die Aufführung des Schattentheaters in erster Linie an die Götter, und dann erst an die Menschen. Für die Bevölkerung ist dieses Theater Bildungsstätte, religiöse Reflexion und Unterhaltung.

Schattentheater in Kerala
Copyright: Prem Manasvi Heinz Johannes Paul


Das chinesische Schattentheater ist ein Gesamtkunstwerk – Musik, Gesang, Schauspiel und Oper. Die in der Ausstellung gezeigten Figuren aus der Provinz Sichuan besitzen im Bereich der Hände ein Gelenk, was die Wiedergabe von Handgesten ermöglicht, die in der chinesischen Oper Gefühle zum Ausdruck bringen.

Schließlich führt uns die Reise zu den Formen des Schattentheaters nach Ägypten, in die Türkei und nach Griechenland. In den beiden letztgenannten Ländern ist das Schattentheater vor allem Gesellschaftskritik. In Deutschland hat das Schattentheater um 1920 ein großes Publikum begeistert – es füllte Säle.

Die UNESCO misst dem Schattentheater einen sehr hohen Wert bei und hat das chinesische Schattentheater, das Wayang Kulit aus Indonesien und das Karagöz aus der Türkei als Immaterielles Kulturerbe anerkannt.

3D-Schattentheater modern

Das zeitgenössische Schattentheater nützt technische Neuerungen wie Halogenlicht und Figuren aus leuchtend farbigem Kunststoff. Das helle Punktlicht ermöglicht klare Schattenbilder, unabhängig von der Entfernung zur Leinwand. Dadurch kann der Schattenkünstler die Figuren frei im Raum bewegen. Er lässt die Figuren zu Zwergen schrumpfen oder zu Riesen wachsen. Das Spiel wird dreidimensional. Cross over, neuartige Experimente mit Pantomime, Film, Tanz und Anderem, sorgen für Dynamik. Der Schattenspieler wird sogar für den Zuseher sichtbar. Das Teatro Gioco Vita erzählt auf diese Weise das Märchen vom Feuervogel nach der Musik von Igor Strawinsky.

Feuervogel, nach Entwurf von Enrico Baj für eine Inszenierung von Teatro Gioco Vita, Italien, 1997, Slg. Reusch
Copyright: Internationales Schattentheater Zentrum Schwäbisch Gmünd, Foto: A. Dreyer

   

Der Schweizer Schattenspieler Rudolf Stössel meint: „Der Schatten bewegt sich immer an der Grenze zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen hell und dunkel, Leben und Tod, Wachsamkeit und Traum. Man spürt das Transzendente“.

Das Linden-Museum Stuttgart ist ein Staatliches Museum für Völkerkunde, das zu den führenden ethnologischen Museen Europas zählt. Dauerausstellungen zu Afrika, dem Orient sowie Süd- und Ostasien ergänzen die Sonderausstellung. Für die Besucher wurden zusätzliche Erlebnisräume mit dem japanischen Teehaus, dem orientalischen Basar, dem Altarraum und dem Mandala aus Tibet sowie dem Königspalast von Oku (Kamerun) geschaffen.

Titelbild: Wayang Kulit Figuren aus Indonesien, von der Schattenseite aus gesehen. Copyright: Yoshi Shimizu

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 143, Januar 2016 des Magazins Abenteuer Philosophie veröffentlicht, Autor: Martin Holub